Familie gesucht: Neues TV-Format: Baby als TV-Hauptpreis
10.04.2008
Familie gesucht: Neues TV-Format: Baby als TV-Hauptpreis. London (rpo). Empörung in England: Großbritanniens Reality-TV, seit jeher einer der Vorreiter der Branche, versucht sich an einem neuen, höchst umstrittenen Format. Demnächst soll ein Baby als Hauptpreis winken. Nüchterner formuliert, sollen handverlesene Kandidaten darum wetteifern, wer am besten mit Nachwuchs umgehen kann. Der Sieger darf zur Belohnung ein Kind adoptieren - nicht gleich, aber später. Zumindest ist dies der rote Faden einer Serie, an der die eigentlich für ihre seriösen Formate bekannte BBC bastelt. Arbeitstitel: "Family wanted" ("Familie gesucht"). Dabei sollen drei Kandidaten antreten, wobei der Londoner "Daily Mirror" boulevardesk ausmalt, welche Idealbesetzung den Machern vorschwebt: eine allein erziehende Mutter, ein schwuler Mann sowie ein Pop- oder Sportstar schwarzer oder brauner Hautfarbe. Alle drei, heißt es, seien dem Publikum bestens bekannt. Eine Jury von Pädagogik-Experten soll am Ende urteilen, wer von den Kandidaten die besten erzieherischen Qualitäten besitzt. Die BBC, eine öffentlich-rechtliche Anstalt, die viele gerade wegen ihrer Seriosität schätzen, hält sich vorerst bedeckt. Über potenzielle Bewerber wird nichts verraten. Was eine Sprecherin aber klarstellen möchte, ist dies: Kinder, die in der Serie auftreten, können nicht direkt adoptiert werden, auch nicht vom Gewinner. Die Sache mit dem Baby als Hauptpreis sei arg übertrieben: "Wir suchen Persönlichkeiten, denen es wirklich am Herzen liegt, Eltern zu werden, aber mehr auf lange Sicht." Kritiker halten allein die Idee für eine Zumutung. Ein Kind anzunehmen, verlange viel Fingerspitzengefühl, sagt John Beyer, Chef der Initiative "Media Watch". Das Thema eigne sich nicht für Unterhaltung - "und es durch Stars aufzupeppen, ist völlig falsch". Selbst Borris Brandt, der deutsche Chef der Produktionsfirma Endemol und immerhin derjenige, der die umstrittene Container-Show "Big Brother" nach Deutschland geholt hat, lehnt das britische Format ab. "So eine Sendung würde bei uns nicht funktionieren." Als Produzent würde er "damit nichts zu tun haben" wollen. Er bezweifelt zudem den finanziellen Erfolg einer solchen Adoptionsshow: "Werbung würde im Umfeld von so einer Show niemand schalten", sagt Brandt. Auch in Zukunft hält er Sendungen wie "Family wanted" in Deutschland für nicht durchsetzbar. "Extremes Reality-TV wird hier in nächster Zeit nicht funktionieren."
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